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Das Wichtigste besteht in folgendem: Zwei Menschen haben sich ineinander verliebt und stehen pl"otzlich vor der Notwendigkeit, sofort Entscheidungen zu treffen, die f"ur sie lebenswichtig sind. Die Unausweichlichkeit dieser Entscheidung macht ihnen Angst, ihre Nerven stehen vor einer Zerreissprobe. Sie tasten sich mit unbedeutenden Worten an die Einstellung des Gegen"ubers heran, sie tun so, als ob zwischen ihnen nichts von Bedeutung vor sich geht, nichts, weswegen man sein Leben um 180° ver"andern m"usste. Noch trauen sie ihrem eigenen Gef"uhl nicht und erst recht nicht dem Gef"uhl des anderen. Jeder wartet, dass der andere den entscheidenden Schritt tut, sie fordern sich gegenseitig zu einer solchen Entscheidung heraus und schrecken selbst vor ihr zur"uck. Doch der entscheidende Augenblick kommt unausweichlich n"aher....
Sind wir zu einer solchen Tat f"ahig oder w"urden wir den anderen und uns selbst verraten? Wer hat noch nie eine solche Wahl treffen m"ussen?
Das St"uck beginnt wie eine leichtlebige Kom"odie. Aber nach einigen scheinbar bedeutungslosen Wortwechseln befinden sich die Helden pl"otzlich in einer ausweglosen, fast tragischen Situation. Der Dramatische Knoten verquickt sich unbemerkt f"ur den Zuschauer und f"ur die Helden selbst. Die Simplizit"at und Wortkargheit machen die Aufgabe der Schauspieler nicht leichter, sondern erschweren sie unermesslich. Die geringe Anzahl der Worte soll den Schauspielern „Luft“ verschaffen, denn sprechen ist einfacher als spielen. Doch die Bedingungen dieses Spiels werden ausschliesslich durch den Dialog vorgegeben.
Ein Beispiel: Die Heldin sagt die Worte: „Soll ich es mal anziehen?“ (Es handelt sich um das Brautkleid.). In diesen einfachen Worten stecken die Freude der jungen Frau, in dem wundersch"onen Brautkleid zu erscheinen und der Wunsch, sich darin dem Geliebten zu zeigen, aber auch der Versuch, ihn zu einer Erkl"arung zu veranlassen, die Schuld, dass das Kleid f"ur die Hochzeit mit einem anderen bestimmt ist, der Schmerz, dass es f"ur die Hochzeit mit einem Ungeliebten angezogen werden muss sowie der Versuch, alles so darzustellen, als ob diese Anprobe f"ur sie beide nicht von Bedeutung sei…
“Hoffnung auf "Ubermorgen“ wurde brillant von Larissa Malevannaja am BDT inszeniert. Gute Auff"uhrungen gab es am Malyi Theater – am Europatheater in Petersburg, sowie in Tscherepovez, Simferopol, Jerewan und dem Theater der Baltischen Flotte in Petersburg.
Ein allt"agliches Zimmer in einem allt"aglichen Haus. Neben einer breiten Doppelbettliege – das Telefon. Auf dem Fussboden und den St"uhlen liegen Schachteln, Eink"aufe, Pakete, Kleider usw. herum. ER und SIE. sind auf der Liege. K"usse, Umarmungen.
SIE. Bist du gl"ucklich mit mir?
ER. Ja
SIE. Sehr?
ER. Sehr.
SIE. Ich auch. Kaum zu glauben, dass es so etwas gibt.
Leidenschaftliche Umarmungen. Das Telefon schrillt. Sie dr"uckt ohne Hinzusehen den Anruf weg. Erneutes Klingeln, SIE. schaut "argerlich auf das Telefon.
Wie ich das satt habe. Es klingelt seit heute fr"uh.
ER. Stell es ab.
SIE. Du weisst doch, dass das nicht geht. (Sie nimmt den H"orer.) Ja, Mama, ich hab dich doch gebeten – keine G"aste. Ich will das nicht. Basta. Und letztendlich: wessen Hochzeit ist das – deine oder meine? (Wirft den H"orer hin.) Ich hasse diese albernen Rituale, Zeugen, Taxi, Fotografen, Ringe, ein Haufen unbekannter Leute – ein Bl"odsinn, stimmt`s?
ER Stimmt
SIE. Eine Hochzeit ist doch die Angelegenheit von Zweien, stimmt`s?
ER. Stimmt.
SIE. Und doch muss man das alles durchmachen.
ER Letzten Endes, die G"aste sind nicht das wichtigste.
SIE. Ja. (Umarmt ihn.) Liebst du?
ER. Ich liebe dich.
SIE. Sehr?
ER Sehr.
SIE. Ich auch.
Langer Kuss. Telefonklingeln.
ER. Schalt es doch ab, verflixt noch mal.
SIE. Heute geht das nicht. Das weisst du doch. (Sie nimmt den H"orer ab.) Hallo, ja Tante, Nein, geh allein, mir ist nicht nach Shopping. Ich hab viel zu tun. Ich hab einen Berg Arbeit. Bitte halte mich nicht davon ab. (Legt den H"orer auf.) Komm zu mir.
ER. Stelle erst das Telefon ab.
SIE. Du weisst doch- heute nicht. Ein Haufen Anrufe.
ER. Darum muss man es ja abschalten.
SIE. Na gut, schalte du es ab.
ER. (Er streckt sich nach dem H"orer, l"asst aber seinen Blick "uber die Liege schweifen.) Hast du eine neue Liege?
SIE. Merkst du das jetzt erst?
ER. Nein, wieso. Als ich hereinkam.
SIE. Sie wurde heute morgen gebracht. Gef"allt sie dir nicht?
ER: Nein, wieso denn. Eine ausgezeichnete Liege.
SIE. Dein Gesicht sieht so anders aus.
ER. Ich sehe aus wie immer.
SIE. Die alte war zu schmal.
ER. Ich verstehe.
SIE. Die hier ist bequemer, stimmt's?
ER. Stimmt. Wo habt ihr denn die alte hingebracht?
SIE. In Mutters Zimmer. H"or auf, so streng zu gucken, zieh die Schnur heraus und komme zu mir.
ER. Wie sieht deine Mutter aus?
SIE. Sie ist sehr sch"on
ER. Siehst du ihr "ahnlich?
SIE. Nein
ER. Du bist aber auch sch"on.